Sonntag, 19. Oktober 2014

Gscheiterhaufen bis gleich!



Seit dem Sprayer Event im WUK stehen die Farbdosen im Kasten herum. Warum also soll ich dann was dagegen haben, wenn das alte Polly Pocket Board farblich ein bisschen auf Vordermann gebracht werden soll, die Whats App Gruppe der 1.A. hat sich nämlich im Käfig vom Park verabredet. Nie hätt ich das eine Kind so schnell und so fesch bei dem Schönwetter in den Park gebracht, aber circa 295 Nachrichten auf What´s App in zwanzig Minuten machen´s möglich. Du, sag ich, im Rohr ist grad was, das hab ich oft gegessen wie ich so alt war wie du, bis dein Skateboard fertigbesprüht ist, ist auch meine Striezel-Resteverwertung fertig, what says you? Ist gut, aber lang kann sie nicht mehr warten, ist auch gleich fertig, das geht sich nur aus, wenn diesmal mein Gleich mit ihrem Gleich mitzieht, es kommen nämlich alle aus der Gruppe und cool ist schon, wer nicht direkt zum Käfig kommt, sondern schon von der Busstation aus, so halbverabredet in einer Untergruppe anrollt. Schnuppe, wir sind im Geschäft, denn der Scheiterhaufen ist - und ich frag mich schon, wie so eine prima Sache einen so irritierenden Namen tragen kann - wirklich gleich fertig, fehlt nur mehr die Schneehaube. Und kaum ist die Farbe so halbwegs trocken und das Board vor der Türe probegefahren, servier ich schon meine gebackene Striezelschüssel, zu dem die Briten viel netter bread and butter Pudding sagen, direkt aufs Skateboard und taufe meine sinnvolle Restlverwertung mit #apfeldazu *von Scheiterhaufen um in Gscheiterhaufen. Also dann, bis gleich, sie ist jetzt ein bissl im Park!

* #apfeldazu ist eine sehr sinnvolle Initiative den österreichischen Obstkaiser zu feiern, jeder der mitmachen will, nimmt jetzt wieder öfter einen #apfeldazu. Mehr dazu auf www.apfeldazu.at







 Zutaten:
2 Äpfel
1/2 altbackener Striezel (Brioche), entspricht 250 g
3 ganze Eier
1/8 Milch
1 Packerl Vanillezucker
3 EL Kristallzucker
Äpfel schälen, von allen Seiten in Scheiben hobeln, mit etwas Zucker und Zimt süßen, den Boden einer Auflaufform damit bedecken, darauf die Stiezelscheiben, mit der verquirlten Ei-Milch-Zuckermischung übergießen und bei 160 Grad 30 min backen.
Schneehaube: 3 Eiklar weiß mixen, dann mit 3-4 EL Kristallzucker zu einer glänzenden Creme, über den gebackenen Gscheiterhaufen und goldgelb backen.





Donnerstag, 9. Oktober 2014

Stellt mehr Töpfe in die Parks!



Dort, wo die Wiener Donaustadt langsam ausläuft und auf der einen Straßenseite die Wellblechshoppingmeile in die Ortschaft Groß-Enzersdorf übergeht, liegt auf der anderen Straßenseite, nur wenige Häuserzeilen hinter der Hauptstrasse, das Naturschutzgebiet und der Biohof Lobau. Genau dort bin ich mit dem Capo vom Biohof Karl Mayer verabredet,  mir die 30 Kilo rosa und 10 Kilo violette Erdäpfel für den "wir-haben-eine-Überraschung-für-dich" Kocheinsatz im Steirereck abzuholen. Ich komme am frühen Nachmittag, da sind für den Ab-Hof-Verkauf die Türen offen und hab mir schnell noch 2 Ikea Säcke von zu Hause mitgenommen, gut so, wie sich dann beim Einladen der 4 x 10 Kilo erdigen Erdäpfelsäcke herausstellt. Karl Mayer ist gut drauf, freut sich, dass mir die bunten Erdäpfel so gefallen, seewolfartig nimmt er gleich einen und schlägt ihn an der Kante einer Holzpalette in der Mitte auseinander. Nicht schlecht der Farbflash, denn voll violett und ich hab die erste Idee was ich draus mach, Chips. Das ist nur eine von vielen historischen Erdäpfelsorten, die er in Zusammenarbeit mit Slow Food und Arche Noah hier anbaut. Die zweite, Rubina, ist außen rosarot, innen Kartoffelgelb, eher mehlig und süßlich, Bingo, gleich die zweite Idee, daraus mach ich eine Erdäpfelsuppe für das Public Cooking rund um den Koch.Campus im Steirereck, quasi Gipfeltreffen der Top Gastronomen, kulinarischen Think Tank österreichischer Spitzenköche mit Trendforschern, Bestenliste-Testern, Presse und Wirtschaft.
Mit den Erdäpfeln fahr ich also ins Steirereck direkt auf Augenhöhe mit Heinz Reitbauer. Ohne der Hilfe von Elfi und Peter hätte ich das nie geschafft, in 4 Stunden die 30 kg rosaroten Erdäpfel zu waschen, schälen und zu schneiden, geschweige denn, die 10 Kilo Violetten mit der Schneidemaschine in dünne Scheiben zu schneiden und zu Chips zu frittieren. In einer Badewanne von Topf schwitze ich die gehackte Zwiebel an, gieße sie mit Wasser (besser natürlich Gemüsesuppe) auf und koche die Erdäpfelstücke ca. 20 min mürb. Irgendwie fühl ich mich wie der Küchencrasher, um mich herum hoch konzentrierte Kochfeinarbeit von eingespielten, grobgeschätzen 30 Profi-Köchinnen und Köchen im Souterrain der Arbeitsküche vom Steirereck. Ich hier die einzige Verbindung zur darüberliegenden Koch.Campus Veranstaltung  in der noblen Herzeigküche, in die die Profiköche mit ihrem Material direkt angereist sind. Mit einem Stabmixer groß wie ein Presslufthammer püriere ich im suppenvollen Edelstahlbassin, fülle sie mit Elfi und Peter in 2 große Töpfe ab und tragen sie vorbei an allen Spitzenköche, die ihre schönen Speisen gerade rund um die Diskussionsrunde "die Zukunft der Österreichischen Kulinarik" anrichten. Draußen vor der Tür kein Sekt, kein Porzellan, keine Presse, hier die Schulklassen mit ihren Lehrern, Jogger, Parkbesucher, Touristen, Mütter mit Kinderwägen, verschwitze Jungs vom Fussballkäfig nebenan, neugierig und interessiert und froh über die Kostproben. Die lila Erdäpfel noch nie gesehen. Schließlich in den Koch.Campus Pausen auch alle großen Köche, die sich vor der Suppenküche um meine Erdäpfelsuppe anstellen. Das Topping von violetten Chips, frischem Majoran aus meinem Garten und frittierten Wurzeln der Jungzwiebeln passt gut, da wird auch gerne ein Schöpfer nachgenommen. Alle sind sehr an den bunten Erdäpfeln interessiert, jeder kann welche mitnehmen, wenn er mag. Am Schluss sind alle weg.  Nach ungefähr 120 ausgegebenen Erdäpfelsuppen ist meine Mission erledigt, alles wird wieder abgebaut, die Töpfe mit der Elfi zurück in die Arbeitsküche getragen und beim Verabschieden bin ich schon Teil der Koch.Campus Familie, schön, hab ich wirklich gern gemacht. Danke an Elfi und Peter und allen anderen sehr freundlichen Menschen in dieser Superküche, die dort wie in ihrer Westentasche agieren!

Jedenfalls hat die kleine Suppenküche vor dem Steirereck im Wiener Stadtpark, wie ich finde schon eine Antwort auf die Frage, wie es mit der "Zukunft der Kulinarik" bestellt ist, parat: stellt einfach mehr Töpfe in die Parks und auf die Strassen!
Rezept zur Suppe ganz unten. Danke Sarah Krobath für die Fotos!





Erdäpfelsuppe für 4-6 Personen, wie ich sie zu Hause mache:
1 Zwiebel
2 EL Olivenöl
3 Jungzwiebel, die Wurzeln abtrennen und frittieren
1/2 kg Erdäpfel festkochend
1 Knoblauchzehe 
2 Karotten
1 l Gemüsesuppe
ein 1/2 TL gestossene Kümmel und Fenchelsamen
frischer Majoran

Gehackte Zwiebel und Jungzwiebel in Olivenöl anschwitzen, mit Suppe aufgießen, Knoblauch, Salz Kümmel und Fenchelsamen dazu, geschälte Karotten und Erdäpfelstücke ca. 30 min darin weichkochen, mit Erdäpfelchips und frittierten Jungzwiebelwurzeln toppen.
Gut passen auch gebratene Schwammerln dazu, oder ein paar gewürfelte Speckstücke mit dem Zwiebel mit anschwitzen.

Der Biohof bietet die Erdäpfelaritäten noch den ganzen Oktober in innerstädtischen Merkur Filialen an, die Stadt ist stolz darauf.
Ab Hof-Verkauf nach telefonischer Vereinbarung:
Erdäpfel
Weizen, Dinkel, Roggen
Kontakt
Bio-Zentrum Lobau
Lobaustraße 53, 2301 Groß-Enzersdorf
Telefon: +43 2249 2300
Schöne bitte ganz liebe Grüße dem Karl Mayer von mir ausrichten!


Sonntag, 5. Oktober 2014

so good, good goods!

Der Zauber der Halle in der Edelhofgasse 10, ist allen bekannt, die uns im Vorjahr zur Vienna Design Week schon einmal besucht haben. (siehe auch Bilder vom RoughCutSupper Club aus dem Vorjahr HIER). Heuer breitet er sich ganz rough und good noch dazu über den diesjährigen Designbeitrag der RoughCutBoard Designerinnen DOTTINGS, der Kollektion Good Goods!
Das Designduo, das sind Katrin Radanitsch und Sofia Podreka haben es sich mit der Initiative GOODGOODS zum Ziel gesetzt, neue Designprodukte für Leben & Haushalt mit sozialem Augenmerk und fairen Preisen unter einer eigenen Marke auf den Markt zu bringen. So weit so good und dann kam ich wieder ins Spiel, denn das RoughCutBoard war schon ein bissl einsam, und hat jetzt endlich Gesellschaft bekommen:

Der GoodSPOON ist ein Kochlöffel aus Bambus, den der Designer Adam Wehsely-Swiczinsky entworfen hat. Er war einmal in China, saß an einem Flussufer und hat sich aus einem herumliegenden Bambusteil - ganz rough cut- einen Kochlöffel geschnitzt. Genau daran hat er sich erinnert, als er von Dottings gebeten wurde, ein Küchenprodukt zu entwerfen, dass in der Werkstatt Jugend am Werk hergestellt werden kann. Und da gute Produkte auch viel gute Unterstützung brauchen, bin ich quasi die Godel, also die Taufpatin des Kochlöffels und helfe der Kollektion Good Good dabei, ein bissl bekannter zu werden. Zu den Good Golds gehören auch diese wunderbaren gehämmerten Bieröffner, Topf- oder Schneidbrettbürsten, Seifen mit Handbürsten, Kinderspielzeug und vieles mehr. Alle Produkte sind noch bis Sonntag, 5.10. in der Halle Edelhofgasse 10 im 18. Bezirk in Wien zu sehen und wer Gutes tun will, schaut auch gleich auf www.goodgoods.at und findet vieles für seine eigene Küche oder zum Verschenken!





Zu den Good Golds gehört auch ein Steckspiel, von den Designerinnen Lucy.D die auch für das Landtmann eine neue Tortenkollektion entworfen haben. Es wird auch gerade an einem online-Torten-Generator gearbeitet, so kannst du dir - wie Nike Schuhe - deine ganz persönliche Torte zusammenstellen. Ich sags ja, so good!
.

Danke auch an Martin Rohla von der Stadtflucht Bergmühle, die uns mit dem köstlichen rosé Prosecco in der Halle unterstützen!






Donnerstag, 18. September 2014

You can´t be dead all the time: Ofenkarotten und Kürbis



Die Frage an mich war gerade, ob es der Absender merkt, wenn sein verschicktes Snap Chat Bildchen, das sich ja im Augenblick des Öffnens sofort löschen soll, unbemerkt vom Empfänger gescreenshotet werden kann und ob man das dann auch merkt oder nicht. Mhm, da geht doch irgendwie der ganze Reiz verloren, finde ich, so ein Snap Chat, wenn das schon notwendig ist, soll ja auch nur gerade in diesem Augenblick verfügbar sein, so erfrischend bis schockierend das ja auch sein mag.
Jetzt stell dir zum Beispiel vor, es schickt dir jemand ein Snap Chat von seinem sehr späten Mittagessen, und stell dir weiter vor, das sind feine, der Länge nach geviertelte frische Karöttchen und Kürbis - ruhig mit Schale - im Rohr eine halbe Stunde weich und süßgebacken, und jetzt geh davon aus, daß dieses ofengeschmorte orange Gemüse jetzt mit angewärmten Nüssen, frisch herausgeschälten Granatapfelkernen (der Aktualität halber muss ich gleich ergänzen: halbierte Granatäpfel abdecken und mit Klopfer draufhauen, Kerne lösen sich lt. Gregor Fauma von ganz alleine !), ein paar grünen Blättern - ob Petersilie oder Minze ist gleich, Olivenöl und Balsamico, Salz, Pfeffer mariniert wird und genau dieses Bild via Snap Chat an dich verschickt. Und jetzt? Ich würd´ sofort einen Screenshot davon machen und weißt du was, dein Snap Chat Buddy kriegt davon jetzt wirklich postwendend ein SMS zugeschickt, dass das Bildchen, das dich eigentlich nur für diesen einen Augenblick, formulieren wir es mal positiv erfreuen soll, kopiert wurde und nun für immer und Ewigkeit aufbewahrt bleibt.
Fazit 1: verschicke deshalb nie ein Snap Chat, dass dich einmal in Verlegenheit bringen kann
Fazit 2: das Kartotten-Kürbis-Ofengeschmorte-Rohrgemüse kannst du auch hier nachlesen
Fazit 3: ich hab jetzt trotzdem einen Snap Chat Account angelegt und fange mit meinem Küchenspruch You can´t be dead all the time an. Erfrischend oder schockierend?

Rezept:
Karotten gut waschen, der länge nach Vierteln, Grüne Stängeln ruhig drauflassen, kleine saubere Kürbisse (mit oder ohne Schale) in Scheiben schneiden, alles auf ein Backblech mit Olivenöl beträufeln und bei 200 Grad im Backrohr ca. 1/2 Stunden weichbraten. Mit frischen Granatapfelkernen, gerösteten Nüssen, Olivenöl, Balsamico Essig marinieren. Frische Petersilie oder Minze dazu. Mit einem Ziegenfrischkäse kann ich mir das auch gut vorstellen.
Zutaten für 4 Personen:
1 kg Karotten mit Grünzeug dran
1 kleiner Hokkaido Kürbis
1 Granatapfel
1 Hand voll Nüsse
Olivenöl, Balsamico, Kräuter






Mittwoch, 10. September 2014

Ein Zwetschenfleck auf der 10teiligen Uta Brandner Skala


Beim Zwetschkenfleck gibt es für mich, und das seit ich schmecken kann, nur ein Maß aller Dinge: wie nah kommt er an den von Uta Brandner heran. Die Mutter meiner Freundin aus Kindertagen "Scouty" Sabine. Mit ihr konnte ich aus dem "Handbuch zum Überleben im Wald" Hochstände bauen, aus dem Schlauchboot abwechseln Wasserläufer und Molchen fangen, Krötenweitspringen veranstalten oder auf der Weltkarte in ihrem Zimmer die noch so kleinsten Pazifischen Inseln kapern. Typisch, meine Lieblingsinsel immer die Schweineinseln ;-)). Und dann im Spätsommer stand dort fast jeden Tag der beste Zwetschkenfleck auf der Chippendale Kommode, eben der von ihrer Mutter Uta. Angeteasert natürlich vom Duft des warmen Germteigs, dem großen Aufschwingen der Küchentüre und dem Schlachtruf der kleinen Brüder nach der Obstpizza. Immer bester Zwetschkenfleck. Später hat man sich noch ein paar Mal getroffen, einmal hin und einmal her besucht und gebatikte Wäschegeschenke ausgetauscht. Ich glaub sie ist jetzt immer noch Zeichenprofessorin an einem Wiener Gym, und ich frag mich oft, ob sie das mit dem Zwetschkenfleck ihrer Mutter genauso. Germteig so flach es geht und trotzdem so fluffig, reife Hauszwetschken, geviertelt nicht halbiert, nicht zu dicht geschindelt und trotzdem schön den Zwetschkensaft an den Boden abgeben. Die schon eher dunkel gebackene Teigoberfläche glänzend und flach, wo keine übermäßigen Pölster zwischen dem Obst hervorquellen. Mit einem Hauch von Mariellenmarmelade bestrichen, der wie mit Schellack poliert dem Fleck das Tüpfelchen auf dem i gibt. Kein Streusel oder Hagelzucker drauf, einfach in diese
schöne große Quadrate geschnitten, so war das mit dem Zwetschkenfleck von Uta Brandner, früher. Nicht, dass ich den nicht schon öfter gebacken hätte wie auch hier schon im August, auf der 10teiligen Uta Brandner Skala eine glatte 8, dann alle Jahre und eben jetzt wieder. Es muss sicher eine bestimmte Konstellation gehabt haben und vielleicht war es die Markfrau vom Kutschkermarkt mit den echten Hauszwetschken oder die Vorstellung vom neuen IPhone plus AppleWatch Draufgabe im Live-Stream auf die Küchenwand gebeamt und noch Vollmond dazu, der Zwetschkenfleck hat jedenfalls genau so geschmeckt wie der von der Uta Brandner, ich gebe 10 von 10.


Für den Germteig:
halbes Packers von Bio-Trocken-Germ (erspart das Dampfl machen), 250 g glattes Mehl (ca. ein Drittel war Rest von einem Dinkel Mehl, lag es daran?), 2 Dotter, 1 ganzes Ei, 40g Staubzucker,  40g Butter, sehr weich, 1/8 l Milch lauwarm, Prise Salz
Für den Belag:
1kg Hauszwetschken, geviertelt

Alles für den Germteig mit Kochlöffel im Weitling glattschlagen oder mit der Küchenmaschine kneten und 1/2 Stunde gehen lassen, dann Teig mit etwas Mehl durchkneten und auf ein Backblech flachdrücken, mit geviertelten Zwetschken belegen und nochmal kurz gehen lassen.
Küchengeheimniss: auf die warme Espressomaschine stellen
Dann im vorgeheizten Backrohr bei 180 Grad 35 Minuten backen.
Noch heiß mit Marillenmarmelade bestreichen.







Freitag, 29. August 2014

Serviettenknödel mit Ei, der Weitling ist frei!

Bevor ich die vielen Semmelwürfeln, die ich gerade zusammenschneide in meinen Lieblingsweitling geben kann, muss ich warten bis er frei ist, denn der ist wegen der Ice Bucket Challenge, an der ja die Tage kaum jemand vorbei kommt, besetzt. Blond ist nämlich mit den Freundinnen in der Wiese, sie drücken Eiswürfeln aus den Formen ins Wasser, quietschen und kreischen. Ist ja nur eine Frage der Zeit, wann ich auch dran komm und finde, dass meine left-over Kaisersemmerln mir für die ordinäre Semmelknödelvariante wirklich zu schade sind, außerdem immer das Risiko, hält der Knödel, hält er nicht, da brauchst du dir beim Serviettenknödel eben gar keine Sorgen machen, noch dazu ganz ohne zusätzliches Mehl. Jetzt wird auch endlich der Weitling frei, jede Menge nasse Bikinis und Handtücher draußen, Milchmischung mit Ei über die Semmelwürfel drinnen. Zwiebeln in viel Butter anschwitzen, zu der Knödelmasse mit grob gehackter Petersilie dazu und dabei zuschauen, wie sich die Semmelwürfeln damit schön ansaugen. Auf ein feuchtes Geschirrtuch - das Einbuttern ist rough cut auch nicht notwendig - die Knödelmasse schön mittig platzieren und mit dem Geschirrtuch zu einem festen langen Knödel wickeln. Die Enden binde ich mit einem Faden zu und als hätte ich es verschrien, werde ich zwischen dem ersten und dem zweiten Ende per Direktnachricht zur Ice Bucket Challenge nominiert, na bitte. Fairerweise fragt mich die Susi vorher, ich sag zu und sie "..und du sonst so…", und ich gleich mit der Bitte keine Alu- oder Cellophanfolienvarianten bei Serviettenknödeln, weil sie will es gleich genauer wissen.
In einem großen Topf mit Salzwasser - mein Fundus hat dafür einen alten langen Fischkochtopf parat-40 Minuten schwimmend köcheln lassen. Den Serviettenknödel herausheben, abtropfen lassen, aus der Servietten rollen, gut auskühlen lassen, in Scheiben schneiden, in einer Pfanne in Butter schön braun und knusprig anbraten und mit 3 verquirlten Eiern übergießen, herrliche Knödel mit Ei!
Den Weitling kann ich gleich draußen stehen lassen, denn für die Ice Bucket Challenge hab ich angeblich nur 24 Stunden Zeit!
Für einen Serviettenknödel
5-6 altbackene Semmeln, gewürfelt
1/4 l Milch
3 ganze Eier
1 große weiße Zwiebel in 4 EL Butter langsam glasig schwitzen
gehackte Petersilie

Für die gerösteten Knödel mit Ei
ausgekühlten Serviettenknödel in Scheiben schneiden
in einer Pfanne in Butter knusprig braten
mit 2-3 ganzen verquirlten Eiern übergiessen, salzen, pfeffern

































Samstag, 16. August 2014

Paula.Anton.Ludwig.Ludwig.Anton und ein Topfenmarillenkuchen

Palla, wie Paula, Anton, Ludwig, Ludwig, Anton buchstabiert die Uli nochmal ins Telefon rein, nicht Haller. Wir glauben, wenn wir immer auf den einen, und zwar den kürzesten unser aller Familiennamen einen Tisch für - wart, wieviel sind wir heute - ja, eh nur 12, bestellen, dann einmal checken die in der Bucht, dass wir eigentlich ganz passable Gäste, so oft wie wir über den ganzen Sommer und die ganzen Jahre schon dort hingehen. Schönste Bucht, tollste Karte, Alles vom Fisch, Essen wie die Firmlinge, trinken wie die Junggesellen, kommen früh und bleiben lang, Rechnungsbons wie Küchenrollen.
Gern Frau Thaler - schon wieder! - sagt die Dame am Telefon, also in der Jagdstube, nein heute geht nur mehr Teestüberl, und keine Hunde, keine Raucher. Also 12 für halb 8 und bitte noch eine Nummer für die Rückbestätigung, man weiß ja nie. Gern Frau Thaller, dann im Teestüberl. Die Uli schaut zu mir rüber, ich zu ihr, wieso jetzt Teestüberl wissen wir beide nicht. Gleich darauf der Rückruf, geht in Ordnung Frau Haller, wir verbessern wieder auf Palla, diesmal mit Betonung auf dem letzten a, geht in Ordnung Frau Thaler - hhhn - , im Seestüberl, achso wir verstehen immer Teestüberl, da kann sie jetzt aber auch nichts machen. Reden wir aneinander vorbei? Du immer der Sommerfrischler, der aus der Stadt, der in der Dirndlverkleidung, der Schönwetteresser und plötzlich riecht es fast schon ein bissl verbrannt, Himmel, der Topfenmarillenkuchen gehört schleunigst aus dem Backrohr, ist ja schon sehr sehr braun. Gut auskühlen lassen, Staubzucker drüberstreuen, schmeckt ausgezeichnet Frau Palla, sagt die Uli, das nächste Mal bestellen wir den Tisch in der Bucht eben auf Sacher oder Zauner.




5 ganze Nuller Eier mit 180 g Kristallzucker sehr schaumig schlagen,  3 Becher fetten Bio Topfen unterrühren (750g), 2 EL Mehl unterheben. Teig in eine ausgebutterte, mehlbestaubte Springform füllen, ca. 10 kleine Marillen halbieren, reinstecken, 50 Minuten bei 175 Grad backen. Gut auskühlen lassen, je dünkler, umso mehr Staubzucker drauf ,-))
Grundrezept für Topfenkuchen
Topfenknödel mit Zwetschkenröster